Synchronisation von Videos: Ablauf und Equipment

Wir von alugha haben es uns zum Ziel gemacht, euch da draußen so viele Online Videos wie möglich multilingual zur Verfügung zu stellen! Da jedoch die wenigsten Videos in mehreren Sprachversionen abrufbar sind, synchronisieren wir einen Großteil in eigener Arbeit. Grafikdesigner Arthur, 3D-Animator Manuel und Video- & Fotoprofi Kasia sind unsere Experten auf diesem Gebiet. Für alle, die selbst gerne Videos dubben möchten, haben wir den Dreien in einem Interview alles Wichtige rund um den Ablauf einer Synchronisation und das benötigte Equipment entlockt 😉

Die wichtigste Frage vorab: Welches Equipment brauche ich überhaupt, um Videos synchronisieren zu können?

  • Arthur: Das kommt ganz auf den eigenen Qualitätsanspruch an. Für eine einfache Synchronisation reicht bereits ein günstiges Mikrofon. Wenn man professionell arbeiten will, braucht man jedoch eine isolierte Kabine, ein Membran-Mikrofon (das wirklich jede Schwingung von dir einfängt) und dann braucht man noch Zwischengeräte, die das Ganze auffangen und pushen. Unseres ist das Audio-Interface von Focusrite und heißt Scarlett 18i20. Das ist dafür da, um Voreinstellungen zu machen, wie zum Beispiel den Sound einstellen, damit du den Pegel hälst oder Bässe hinzufügen, um die Dynamic Range deiner Stimme zu verbessern. Und dazu brauchst du natürlich einen PC, der das Ganze aufnimmt und Software, wie in unserem Fall Adobe Audition.
  • Kasia: Es gibt übrigens auch kostenlose Programme, wie Audacity.
  • Manuel: Und als Zwischenschritt, vom “ich hab nur ein Handy zum Aufnehmen” bis “Sprecherkabine mit Membranmikrofon” gibt es auch ganz gute Kondensatormikrofone. Die sind zwar nicht ganz so gut wie Membranmikrofone, aber von der Qualität her auch akzeptabel.

Die nötigen technischen Grundlagen hätten wir jetzt also schon mal. Wie geht es nun weiter? Könnt ihr den typischen Ablauf einer Video-Synchronisation beschreiben?

  • Arthur: Ja, genau! Es ist nicht die Art von Übersetzen, wie man es aus der Schule kennt. Es soll nicht original übersetzt werden, sondern lippensynchron. Man muss versuchen Wörter zu finden, die auf die Lippen passen. Eine Lippenbewegung kann für viele unterschiedliche Wörter stehen – es kommt darauf an, wie man es auspustet.
  • Kasia: Man nimmt einen Originaltext und übersetzt den möglichst lippensynchron.
  • Manuel: Aber auch da ist es wieder jedem freigestellt, welchen Anspruch man hat.
  • Kasia: Ok, du hast also den Text übersetzt, die ganze Technik steht parat… und dann kann man auch schon fast loslegen. Zunächst sollte man aber die Stimme aufwärmen, das ist ganz wichtig – wie beim Sport.
  • Manuel: Ja, es gibt schöne Übungen, um die Zunge zu lockern oder das Mundvolumen zu erweitern.
  • Kasia: Dann legt man los, spricht den Text so lange, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Am Ende passt man die Stimme noch an. Man kann die Tonspur hin und her verschieben, bis das Ganze möglichst exakt passt. Und man legt bestimmte Filter über die Stimme, wie man bei Photoshop Masken drüber legt, damit die Stimme noch besser rüber kommt.
  • Arthur: Das nennt man dann Mastering – zum Beispiel dass man die Lautstärke anpasst, wenn man Musik im Hintergrund hat.
  • Manuel: Ideal ist es natürlich, wenn man so wenig wie möglich an der Stimme schrauben muss.

Gibt es etwas, worauf man besonders genau achten muss?

  • Arthur: Ja, da gibt es zwei Parts: Wenn du für die Regie verantwortlich bist, musst du schauen, dass die Dynamik stimmt. Hast du zum Beispiel ein sehr aggressives Video, kannst du keine Schlafmütze hinter das Mikrofon stellen. Der Regisseur ist da um zu checken, wie die Stimme von der Tonalität passt. Andersrum muss der Sprecher sich wirklich vorbereiten: das Video anschauen, Trockenübungen machen, Passagen auswendig lernen… Man muss auch Schauspieler sein und Gefühle transportieren, wenn man dubbed!

Was macht euch beim Dubbing am meisten Spaß?

  • Manuel: Als Sprecher finde ich es besonders spaßig mich in eine Rolle einzufühlen. Am Ende kommt zwar “nur” die Stimme rüber, aber wenn man sich zum Beispiel die Making ofs von DVDs anschaut und die Synchronsprecher sieht, wie die sich in die Rolle einarbeiten, dann merkt man wie wichtig das ist.
  • Arthur: Ja, ein krasses Beispiel ist Benedict Cumberbatch, der Synchronsprecher von Smaug, dem Drachen aus “Der Hobbit”. Es gibt dazu ein Video, das sehr beeindruckend ist.
  • Kasia: Ich finde es ist vor allem ein tolles Gefühl zu wissen, dass das Video am Schluss für noch mehr Leute verständlich ist – dass man das Video anderen Leuten zugänglich machen kann.

Und was kann euch so richtig die Nerven rauben?

  • Arthur: Wenn das Wording schlecht ist… man versucht etwas zu sprechen, aber es klappt nicht, weil es ein Zungenbrecher ist oder ähnliches.
  • Manuel: Und ich hab den Eindruck, dass man im Deutschen immer mehr Silben hat als beispielsweise im Englischen, sodass man da dann immer quetschen und schneiden muss.
  • Kasia: Was Nerven raubt ist auch zeitlicher Druck, wenn man gewisse Qualitätsansprüche hat.

Noch einen kleinen Rat an die Dubbing-Starter da draußen?

  • Kasia: Just do it!
  • Manuel: Ja, learning by doing – das macht am meisten Spaß. Und vor allem sollte man sich Making ofs von Synchronsprechern anschauen, um einen Eindruck zu bekommen. Man muss aus sich raus kommen, Gefühl transportieren. Es ist eine gute Übung alles erstmal etwas übertriebener und extrem deutlich zu sprechen.

Nützliche Links:

Benedict Cumberbatch als Synchronsprecher von Smaug, dem Drachen aus “Der Hobbit”:

Tipps, wie man sprechen sollte, damit Leute gerne zuhören (mit Warm-up Übungen für die Stimme ab 7:45):