Facebook als Videoplattform – wo geht die Reise hin?

Im vergangenen Jahr hat Mark Zuckerberg angekündigt, dass Facebook im Laufe der nächsten fünf Jahre zu einer sozialen Videoplattform avancieren könnte. Zuletzt machte das Unternehmen aus Silicon Valley von sich Reden, weil es mit seiner Anzahl von Desktop-Videoabrufen sogar den Marktführer YouTube überholt hatte.

Auch an Facebook nagt der Zahn der Zeit. Dem sozialen Netzwerk könnten in Zukunft die Nutzer davonrennen. Schon jetzt erfreuen sich besonders bei jungen Nutzern Portale wie Instagram oder Pinterest einer großen Beliebtheit. Doch wie wirkt man einem Abhandenkommen von Nutzern entgegen? Da hilft nur eins: Trends erkennen und verfolgen. Und deshalb stehen jetzt bei Facebook alle Zeichen auf Video!

In Zukunft sollen die veröffentlichten Videos im Newsfeed eine noch populärere Stellung einnehmen. Diese Entwicklung kann bereits aktuell beobachtet werden. Es mehren sich allerdings die Vorwürfe, dass hier nicht ganz gerecht vorgegangen wird.

Facebook vs. YouTube?

Die Vorwürfe beziehen sich auf das Posten von Videoinhalten auf Facebook. Es stellt sich die Frage, ob Facebook etwa gezielt die Geschwindigkeit eingebetteter YouTube-Videos drosselt, um Betreiber von Facebook-Seiten und auch User zum direkten Hochladen im Social Network zu motivieren. Dass Facebook versucht sich auf dem Onlinevideomarkt zu etablieren, dürfte jedem klar sein, der hin und wieder mal einen Blick in seinen Newsfeed wirft. Will das Social Network nun also den Kampf mit dem Videogiganten YouTube aufnehmen und ihn gar zu einer Randfigur auf seiner Plattform werden lassen? Immer öfter klagen Seitenbetreiber darüber, dass sie YouTube-Videos auf Facebook teilen, Nutzer zwar den Vorschau Link sehen, aber die Videos dann nicht abspielen können. Könnte das etwa ein gezieltes Unterbinden durch die Plattform sein, um das Hochladen der Videos direkt auf Facebook zu propagieren? Klar ist: wer nicht liefert, wird nicht belohnt. Und wenn sich YouTube-Videos nicht abspielen lassen, dann verlieren sie natürlich an Klicks und damit auch an Reichweite. Ob Facebook hier wirklich interveniert, kann nicht nachvollzogen werden. Es gibt jedoch auch andere Faktoren, die dem Social Network beim Ausbau seiner Videoplattform in die Hand spielen.

Unterschiedliche Darstellung

So unterscheidet sich vor allem die Darstellung der Videos im sozialen Netzwerk. Während YouTube-Videos mit einem kleinen Vorschaulink geteilt werden, den man zuerst anklicken muss, um das Video zu sehen, bedient sich Facebook bei eigenen Videos seit 2013 der Autoplay-Funktion. Dabei werden Videos, die direkt im sozialen Netzwerk hochgeladen werden, im Newsfeed ohne Ton automatisch abgespielt. Statistisch gesehen, klicken die meisten YouTube-User Videos nach zehn Sekunden bis einer Minute weg. Dass sie in Facebook noch den Anklick-Button betätigen müssen, hemmt sie häufig. Diese Problematik wird durch die Autoplay-Funktion der Facebook-Videos automatisch vermieden. Der Nutzer erhält einen kurzen Einblick in das Video. Wenn es ihm gefällt, kann er es anklicken und mit Ton abspielen.

Nutzerdaten, Videos und Werbung

Natürlich profitieren aber nicht nur die User von Facebooks vereinfachter Videofunktion. Wenn man die Video-Abrufzahlen für Facebook beobachtet, so wird schnell deutlich, dass das soziale Netzwerk dicht hinter bereits etablierten Videoplattformen liegt. Vergangenes Jahr wurde auf der Seite des Unternehmens bekannt, dass jeden Tag in etwa eine Milliarde Videos abgerufen würden, in puncto Desktop-Videoabrufen, hat das Netzwerk YouTube sogar tatsächlich schon überholt. Die Autoplayfunktion erscheint zudem besonders pikant im Hinblick auf die, seit dem 31. Januar eingeführten, Datenschutzrichtlinien. Denn wie wir in einem vergangenen Blogbeitrag bereits erklärt haben, werden die persönlichen Daten vor allem für Werbezwecke verarbeitet. Anhand von Websitebesuchen und Klicks lässt sich seither noch genauer sagen, was Usern gefällt, was sie planen und es lässt sich relativ einfach ein Werbekundenprofil anlegen. Deshalb hat die Plattform auch kurz nach der Einführung der Autoplayfunktion in den Newsfeed eine Autoplay-Video-Werbung-Funktion eingebaut. De facto bedeutet das, dass sich Marketingstrategien irgendwann komplett auf das soziale Netzwerk beschränken könnten. Auch bei YouTube finden wir Werbung, aber nur, wenn wir gezielt ein Video anklicken. Facebook hingegen lässt uns gar nicht mehr die Möglichkeit uns aktiv selbst zu entscheiden. Da die Werbung automatisch abgespielt wird, sehen wir sie zwangsläufig auch. Und natürlich ist sie auch noch auf uns persönlich zugeschnitten.

Sollte sich die Plattform tatsächlich so etablieren wie ihre Videovorbilder, dann könnten beträchtliche Werbeeinnahmen winken. Noch werden die Inhalte der Videos zwar nicht gezielt vermarktet, das wird aber vermutlich demnächst der Fall sein. Zu diesem Zweck müssen die Videos mit der entsprechenden Werbung aber auch archiviert werden, damit sie von den Nutzern gefunden werden können. Denkbar wäre, dass das soziale Netzwerk Subseiten für diese Zwecke einrichtet. Sobald dies der Fall ist, geht der große Konkurrenzkampf vermutlich erst richtig los. Denn dann etabliert sich Facebook als soziale Multiplattform, die sich vermutlich noch gezielter auf die Suche nach gewerblichen Kunden macht. Die große Frage dürfte sein, ob die Plattform es tatsächlich schafft, diese Kunden abzuwerben und sich als Marktführer zu etablieren.