Dick & Doof sprechen Deutsch

Sie sind eines der bekanntesten amerikanischen Komiker-Duos ihrer Zeit und noch weit darüber hinaus: Dick & Doof alias Stan Laurel und Oliver Hardy. In den dreißiger Jahren standen sie in der Blüte ihrer Karriere und drehten zahlreiche Filme. Auch in Deutschland wollten sie ihr Publikum erreichen. Doch wie funktionierte das in einer Zeit, als es noch keine Synchronsprecher gab?

Dem deutschen Sprachraum war das Komiker-Duo bereits seit den zwanziger Jahren unter dem Namen Dick & Doof bekannt. Mit schadenfrohen Späßen, die Dummheit und Zerstörung auf die Schippe nahmen, erreichten die beiden das Gefallen eines weltweiten Publikums. Doch wie konnten die beiden Stars, beispielsweise in Ländern wie Deutschland, einen so großen Erfolg erzielen? Zu jener Zeit gab es noch nicht viele Synchronsprecher und die Globalisierung war noch nicht so weit fortgeschritten, dass in allen Ländern englisch gesprochen wurde.

A long-lost treasure

Im Jahr 2004 entdeckten Mitarbeiter des Filmmuseums München im Moskauer Filmarchiv endlich des Rätsels Lösung: einer der ersten Tonfilme des Duos, gesprochen in deutsch. Der Film war gemeinsam mit dem gesamten Reichsfilmarchiv nach Kriegsende in die russische Metropole gebracht worden. “The Laurel-Hardy Murder Case” von 1930 (in deutsch “Der Mitternachtsspuk”) ist der einzige bislang entdeckte Film der beiden Komiker in deutscher Sprache. Vermutlich gab es zwischen acht und zehn solcher deutschsprachiger Versionen von Laurel-und-Hardy-Filmen. Was in der dortigen Kopie fehlte, wurde durch den englischen Originalfilm ersetzt und so ist eine vielseitige Geschichte von den beiden Komikern in ihren ersten Jahren entstanden.

Dieser verflixte Ton

Doch wieso ein Film in einer Sprache, die den beiden Komikern eigentlich total fern lag? Mit dem Ende der Stummfilmphase und dem Boom des Tonfilms standen die Filmemacher vor einem vollkommen neuen Problem.  Wo bisher Mimik und Gestik als internationaler Erfolgsgarant galten, musste ein neuer Weg zur Verbreitung herhalten. Aber zu Beginn des Tonfilms war Synchronisation weitestgehend noch verpönt, der Mensch sollte nicht seiner eigenen Stimme beraubt werden. Die Filmkritik zeigte sich schockiert. Ähnliches galt für Untertitel. Wie also das Problem lösen? Die meisten Studios wählten eine aufwändigere Lösung: sie drehten fremdsprachige Versionen ihrer Filme. Das heißt, je nachdem in wieviel Länder der Film exportiert werden sollte, mussten auch angemessen viele Filme gedreht werden. Entweder wurden die entsprechenden Schauspieler also durch Ausländer ersetzt, was aber den Film verfälschte, oder sie wurden dazu angehalten den anderssprachigen Text zu sprechen – obwohl sie nichts davon verstanden. Dank Sprechtrainer und großer Tafeln , auf denen das geschriebene Deutsch stand, mussten die Schauspieler einfach nur ablesen. Der Aufwand das Set jedes Mal auf und abzubauen war da schon wesentlich größer, ganz davon abgesehen dass der fertige Film jedes Mal auch noch den Weg der Sichtung, des Schnitts und des Vertriebs gehen musste.

Die Sternstunde der Synchronisation

Irgendwann wurde auch den großen Studios klar, dass die Produktionskosten durch die Multiplikation an Filmen zum Fass ohne Boden wurden. Da waren dann die Kosten und die Individualität der Stimme das kleinere Übel. Dies war die Sternstunde der Synchronisation. Seitdem sind Millionen von Filmen für eine Vielzahl von Menschen zugänglich geworden. Und das, obwohl sie nicht die ursprüngliche Filmsprache sprechen. Ja, und was uns bei alugha angeht, können wir nur sagen: Danke Filmwelt, danke Synchro, ohne euch würde es uns heute gar nicht geben.